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Geschichte hautnah: Zeitzeugin berichtet über die „Edelweißpiraten“ in Köln

Gestern wurde am Berufskolleg für Medienberufe die Zeit zurückgedreht. Gertrud „Mucki“ Koch kam zu Besuch. Sie ist die letzte lebende Kölner Edelweißpiratin. In zwei bewegenden Stunden erzählte sie den Schülern der Klasse GTA 28, wie sie sich im Köln der 1930er und 1940er Jahre gegen den Nationalsozialismus aufgelehnt hat.

Mucki Koch und eine GTA-Klasse.

Mucki Koch ist die letzte Edelweißpiratin in Köln und war zu Besuch am Berufskolleg für Medienberufe.

Heute kämpft Gertrud Koch gegen das Vergessen. Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs teilt die heute 89-Jährige ihre Erinnerung aus der Zeit des Widerstandes der Gruppe „Edelweiß“. Damals, als sie in der Gruppe aktiv mit gemacht hat, war sie selbst gerade 16 Jahre alt. Heute berichtet sie den Schülern, die jetzt kaum älter sind als sie selbst in den 30er Jahren, wie sie sich gegen das Nazi-Regime aufgelehnt hat.
Damals produzierte die Kölner Widerstandsbewegung zum Beispiel Protest-Flugblätter und ließ sie in einer riskanten Aktion wie Schneeflocken aus der damaligen Glaskuppel des Hauptbahnhofs rieseln. Die junge Gertrud versteckte die Flugblätter aber auch in Gebetbüchern und schrieb antifaschistische Parolen auf Eisenbahnzüge.

Als Frau Koch sich vorne in den Klassenraum der angehenden Medienfachleute setzt, wird es mucksmäuschenstill. Sie zeigt ihre Edelweißanstecknadel und beginnt einfach zu erzählen. Die Erinnerungen sprudeln und eine alte – und schreckliche –  Zeit erwacht zum Leben. Damals wollte sie etwas machen, das gut war; sich gegen den Nationalsozialismus wehren, mitreden. Sie trat der Bündischen Jugend bei, aus der,  nachdem sie verboten wurde, die Gruppe Edelweiß hervorging. Im Laufe ihrer Protestaktionen wurde die Gruppe von der GeStaPo (Hitlers Geheime Staatspolizei) in „Edelweißpiraten“ umbenannt. Es folgten kontinuierlicher Widerstand, Flugblätter, Verrat, Gefangenschaft, Flucht und endlich, am 8. Mai 1945, die Kapitulation Nazideutschlands und das Ende des Krieges.

Gertrud „Mucki“ Koch hat noch viele Erinnerungen, die sie erzählen könnte. Sie beantwortete die vielen Fragen der Schüler und bot der Klasse an, sie durch das EL-DE-Haus in Köln zu führen, wo sie einst von den Nazischergen inhaftiert und gefoltert wurde.

Nach zwei intensiven Geschichtsstunden ging dieses einmalige Erlebnis, mit einer Zeitzeugin, einer Widerstandskämpferin von damals, zu sprechen, zu Ende. Tief berührte Schülerinnen und Schüler applaudierten der engagierten Edelweißpiratin und dankten ihr ganz herzlich für ihren Besuch.
Auch wir danken Frau Koch für ihr Kommen und ihren Einsatz. Wir werden diese Schulstunden sicher niemals vergessen!