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Nachhaltige Architektur – Mediengestalter Bild und Ton fertigt außergewöhnliches Prüfungsstück

André Normann absolviert bei bm – bildung in medienberufen eine Umschulung zum Mediengestalter Bild und Ton. Als Prüfungsstück hat er sich ein außergewöhnliches Projekt vorgenommen. Das Prüfungsthema „Energiewende im Alltag“ setzt er um, indem er die nachhaltige Architektur des Kunstmuseums des Erzbistums in Köln dokumentiert. André erklärt das organisatorisch und inhaltlich anspruchsvolle Projekt und gibt Einblicke in die Organisation des Drehs.

Junger Mann an Kamera.

André Normann absolviert bei bm – bildung in medienberufen eine Umschulung zum Mediengestalter Bild und Ton.

bm: André in deinem Prüfungsstück behandelst du die Architektur des „Kolumba“. Wieso hast du dich für dieses Prüfungsthema entschieden?

Für mich war schnell klar, dass ich eine nonfiktionale Arbeit machen möchte. Architektur interessiert mich sehr und ich habe an der bm bereits eine Projektarbeit in diesem Bereich gemacht. Außerdem bin schon lange ein Fan des Kolumba-Gebäudes. Es wurde unter dem Leitsatz der „nachhaltigen Architektur“ vom renommierten Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfen, wobei „Nachhaltigkeit“ hier für eine ökonomische und ökologische Konzeption steht. Da lag es nahe, hier den Abschlussfilm zu drehen.

bm: Was bedeutet „nachhaltige Architektur“ und warum passt sie ins Thema „Energiewende im Alltag“?

Nachhaltigkeit hat hier mehrere Bedeutungen. Bei der Ausschreibung für den Neubau des Museums gab es strikte Vorgaben. Der Bau musste die Besonderheiten des Ortes berücksichtigen: Die Kirchenruine St. Kolumba und ein archäologisches Grabungsfeld wurden in das Gebäude integriert.

Das Thema „Nachhaltigkeit“ wird auf verschiedene Arten und Weisen umgesetzt. Neben traditionellen Handwerklichen Techniken, wurden bei der Errichtung des Museums  ausschließlich mineralische Werkstoffe verwendet. Das Zurückgreifen auf Lehmputz ist heute aus konservatorischer Sicht ein Vorteil, da die Lehmschicht durch ihre gute Absorbtionsfähigkeit das Klima mit reguliert. Dieser nimmt Feuchtigkeit auf und reguliert die Luftfeuchtigkeit im Inneren.

Der zweite nachhaltige Aspekt ist ein sehr komplexes Belüftungssystem. Stark vereinfacht dargestellt: In den Ausstellungsräumen herrscht ein leichter Überdruck, die Zuluft wird über die Decke eingeführt und über den Boden wieder abgeführt.

Drittens wird auch die Klimatisierung des Gebäudes nachhaltig gelöst: Eine Erdsondenanlage liefert  im Winter Heiz- und im Sommer Kühlenergie. Diese Anlage deckt bereits 78% des Energiebedarfs, die restliche Energie wird über Ökostrom geliefert.

bm: Welche Arbeit musstest du im Vorfeld der Produktion leisten?

Es gibt natürlich den vorgeschriebenen Prüfungsablauf. Nach der Wahl des Themas erarbeitet man ein Bild-Ton-Konzept, das man einreichen muss. Wenn die IHK es abgenommen hat, kann man mit der Produktion beginnen und muss die selbst gewählten redaktionellen Auflagen erfüllen. Auch an die Zeitangabe, die man sich selbst setzt, muss man sich halten. In meinem Fall sind das 3.40 Minuten.

Die Drehgenehmigung für das Museum zu bekommen, war sehr schwer. Nach mehrfachen Anfragen ist es aber gelungen. Da der Beitrag sich inhaltlich auf das Gebäude fokussiert, wurde neben der Drehgenehmigung des Museums auch die Genehmigung des Urhebers, also des Architekten benötigt. Da beide Faktoren sehr unsicher waren, musste ich parallel dazu noch ein zweites Konzept zur Absicherung vorbereiten.

Schließlich habe ich die Drehgenehmigung für einen Tag bekommen, an dem das Museum für Publikum geschlossen war. Aus versicherungstechnischen Gründen wurde der Dreh von einer Aufsichtsperson des Museums begleitet.

bm: Welche gestalterischen Elemente hast du eingesetzt und wie verlief der Drehtag?

Für das gesamte Projekt habe ich einen Tag veranschlagt und habe von etwa 09:00 bis 20:00 Uhr gearbeitet. Wir haben zwei Interviews aufgezeichnet: Eins mit dem Bauleiter des Museums, dem Architekten Michael Stein und ein weiteres mit dem Museumsdirektor Dr. Stefan Kraus. Beide kommen in Auszügen im Film vor. Geführt wurden die Interviews von einer Künstlerin, die selbst im Bereich Architektur tätig ist. Dadurch konnte ein lebendiges Fachgespräch entstehen, was natürlich für den Film auch sehr wirkungsvoll ist.

Die Räumlichkeiten zeige ich mit einem Gang durch das Museum. Außen angefangen bewegt sich der Film von Raum zu Raum. Technisch kamen zwei Kameras mit Festbrennweiten zum Einsatz: Eine mit Weitwinkelobjektiv und eine mit einem Normalobjektiv.

An gestalterischen Mitteln habe ich mich auf Fahrten, Schwenks und Schärfenzüge beschränkt, Zooms gibt es nicht.

Die Musik zum Film habe ich im Museum selbst aufgezeichnet. Dazu habe ich in einem Raum mit großer Deckenhöhe einzelne Klänge auf einer Kalimba eingespielt. Durch das große Klangvolumen in diesem Raum „steht“ der Ton besonders lange. Diese Musik bildet im Soundbett ein besonderes Merkmal und bestimmt auch die Schnittfrequenz mit. 

bm: Wie ist die Postproduction abgelaufen?

Die  Postproduction bestand nicht nur  aus dem reinen Bildschnitt und der grafischen Bearbeitung, sondern beinhaltete auch noch die Aufnahmen eines Sprechers (Voice Over).

Am Ende des Drehtages hatte ich etwa 3 Stunden Material zusammen, inklusive Interviews. Nach der Sichtung bleiben davon etwa 2 Stunden reines Ausgangsmaterial übrig. Der Schnitt wurde besonders schwer da ich innerhalb der Interviews eine zeitliche Zäsur vornehmen musste. Ich habe den Gesprächspartnern im wahrstem Sinn 'das Wort abgeschnitten'. Es war hinsichtlich der vorgegebenen Zeit leider kein Platz für die vielen Anekdoten und lebendigen Ausführungen der Interviewgäste. Da bei der Produktion das Bild und der Ton getrennt voneinander aufgenommen wurden, mussten diese am Schnittplatz noch synchronisiert werden. Prinzipiell habe ich also alle Elemente wie in einem Puzzle zusammengesetzt, wobei die Teile im gesamten dann den Beitrag aus machen. Wie bei einem Cocktail gibt es hier ein Mischverhältnis, was letztlich den guten Cocktail von einem einfachen unterscheidet.