ITA für Frauen!

ITA für Frauen! Jana Ferber und Tanja Hammacher im Gespräch über den "Männerberuf" staatlich geprüfte/r informationtechnische/r Assistent/in

09.11.2012 14:44
Ein Interview mit: Jana Ferber und Tanja Hammacher

Nur 20% der Informatik-Studierenden und nur 10% der IT-Auszubildenden sind weiblich – das darf ja wohl nicht wahr sein, sind wir denn immer noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen? Dabei ziehen die Mädchen an den Jungs beim Abitur vorbei und machen generell im Durchschnitt die besseren schulischen Abschlüsse. Ganz offenkundig stimmt hier etwas nicht, wenn dann doch so wenige Frauen sich genau an den Beruf wagen, der so angesehen ist und so gute Arbeitsmarktchancen bietet wie kaum ein zweiter!

Programmieren zu lernen ist hart, da muss man nicht drum herum reden. Aber es kann jeder lernen, und jede sowieso. Zudem macht es Riesenspaß, denn das Gefühl, wenn endlich alles klappt, nachdem man vorher fast verzweifelt ist, ist unvergleichlich - das ist der wahre Lohn der Geeks, der weiblichen genau so wie der männlichen.

An unserem Berufskolleg beweisen Jana Ferber und Tanja Hammacher (beide im zweiten Ausbildungsjahr Informationstechnische Assistenten) eindrucksvoll, dass selbstverständlich auch das Programmieren nicht nur Männer-, sondern auch Frauensache ist. Beide gehören zu den Besten ihres Ausbildungsgangs.

Kerstin Blumberg und Christopher Reins (beide im ersten Ausbildungsjahr zu Gestaltungstechnischen Assistenten) haben Jana und Tanja am 03. Juli 2012 interviewt.

Wer seid ihr beiden?

Jana: Ich heiße Jana Ferber, bin 21 Jahre alt und komme aus Leverkusen. Neben der Informatik interessiere ich mich für Psychologie und die deutsche Sprache. Auf die Informatik bin ich eher zufällig aufmerksam geworden, was meine zukünftige Berufslaufbahn total verändert hat. Seit dem ersten Jahr ist mir klar, dass ich aus diesem Berufsfeld nicht so schnell wieder rauskommen werde.

Tanja: Ich bin Tanja Hammacher, bin 20 Jahre alt und komme aus Köln. Informatik fand ich schon immer interessant, da ich auch im Mathematikunterricht immer vorne mit dabei war. Eine weitere Leidenschaft von mir ist das wirtschaftliche Denken.

Was macht ihr?

Jana: Wir sind im zweiten Jahr unserer Ausbildung zur Informationstechnischen Assistentin. Bisher haben wir viele verschiedene Bereiche der Informatik kennengelernt, wie zum Beispiel Programmierung, Webdesign und Netzwerkkonfiguration. Die Branche besitzt ein weites Spektrum und für fast jeden ist etwas dabei. Mein persönlicher Favorit ist die Softwareentwicklung, was unter anderem auch die Spieleprogrammierung einschließt. Wenn es klappt, seht ihr mich in ein paar Jahren an der Spitze von EA ;)

Es ist ja bekannt, dass es leider nur sehr wenige weibliche Informationstechnische Assistentinnen in der Ausbildung gibt. Woran könnte das eurer Meinung nach liegen?

Tanja: Ich denke, die meisten Frauen ziehen es grundsätzlich nicht in Betracht, einen technischen Beruf zu erlernen. Grund dafür ist vor allem der schon bestehende Anteil an männlichen Beschäftigten. Warum sollte eine Frau einen Beruf erlernen, der zu 80% von Männern ausgeführt und geleitet wird? Unsere Geschichte sowie die heutigen Medien haben den Mann zu dem technisch begabten und logisch denkenden Geschlecht ernannt. Die Zukunft wird allerdings zeigen, ob man sich da nicht doch ein wenig getäuscht hat.

Wie gefällt euch die Ausbildung? Die Lehrer? Das Equipment?

Jana: Ich bin sehr froh, auf diese Schule gestoßen zu sein. Die Lehrer sind freundlich und nehmen sich viel Zeit für uns. Ich selbst hatte von JAVA anfangs noch keine Ahnung; heute fühle ich mich sicher und weiß, dass ich auch in Zukunft viel damit zu tun haben werde. Was die Einrichtung betrifft: Wir haben alles, was wir brauchen, um unsere Kenntnisse zu vertiefen. Allerdings benötigen wir auch nicht mehr als einen funktionstüchtigen Computer.

Tanja: Na ja und Internet, einen Overhead-Projektor, den Beamer, Klimaanlage …

Wie ist es, fast ausschließlich mit Jungs im Unterricht zu sitzen? Sind sie freundlich oder bringen sie dumme Sprüche? Wie verhalten sie sich sonst so?

Tanja: Die Jungs in unserer Klasse sind sehr umgänglich. Anfangs ist es vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber wir kommen sehr gut miteinander klar. Es besteht kein großer Unterschied zu normal verteilten Klassen.

Jana: Außer vielleicht die Themen, über die man sich unterhält (lacht). Wir werden akzeptiert und in eigentlich alle Situationen miteingebunden, haben oft das Sagen und wurden noch in keiner Weise grob behandelt.

Tanja: Ja, ganz im Gegenteil haben wir viel eher neue Freunde gefunden, die mindestens ein Interesse mit uns teilen.

Findet ihr, ihr habt gewisse Vorteile den Jungs gegenüber, so als Ausnahmeerscheinung?

Jana:Du meinst einen weiblichen Bonus? Nicht wirklich. Am Anfang könnte man meinen, die Lehrer seien nachsichtiger uns gegenüber, aber das legt sich sehr schnell. Wir können uns auch so sehr gut durchsetzen.

Tanja: Ja, wir haben die Jungs schon sehr gut im Griff ;)

Habt ihr eine Idee, wie man mehr Frauen für den technischen Bereich interessieren könnte?

Jana: Organisationen wie beispielsweise der GirlsDay sind meiner Meinung nach ein guter Anfang. Allerdings wirkt die Informatik im Rahmen solcher Veranstaltungen noch größer und aufregender, was viele Frauen abschrecken kann. Ich denke, mit der Zeit wird sich aber auch im technischen Bereich ein kleiner nicht zu verachtender Anteil an Frauen etablieren.

Tanja: Gerade jetzt, wo Computer und Internet nicht mehr wegzudenken sind.

Zu guter Letzt, wie ist euer Eindruck der Lehrer und der Schule?

Tanja: Unsere Lehrer sind kompetent und locker. Es ist keineswegs wie in der 10. Klasse einer öffentlichen Schule. Die meisten von uns sind wirklich hier, weil sie etwas lernen und erreichen wollen. Und genau deswegen kann man sich mit ihnen auch wunderbar über andere Probleme des Lebens unterhalten, kann miteinander lachen und in der Regel auch ohne viele Hausarbeiten vieles dazulernen.

Jana: Ja, die Schule ist ein Ort, den man während der Ausbildung öfter zu sehen bekommt als irgendeinen anderen. Aus diesem Grund bin ich echt froh, dass es genau diese geworden ist. Die Räumlichkeiten sind gepflegt und mit allem Notwendigen ausgestattet, die Cafeteria ist beliebt und die Veranstaltungen nie langweilig. Ich denke, besser hätte der Start in diese Richtung nicht laufen können.

(Redaktion: Michael Giese)