Senior Project Manager bei Messe Düsseldorf GmbH

Matthias Hochscheid, heute Senior Project Manager bei der Messe Düsseldorf GmbH, besuchte das Berufskolleg für Medienberufe von 2004 bis 2006 und schloss die Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten mit Bestnoten ab. Im Juni 2011 besuchte er seine alte „Wirkungsstätte“, um im Rahmen des Bewerbungstrainings in den Abschlussklassen aus der Berufspraxis zu berichten und handfeste Tipps zu geben.

01.01.2014 16:07
Ein Interview mit: Matthias Hochscheid

Guten Tag, Herr Hochscheid. Sie sind ja einer der ersten Gestaltungstechnischen Assistenten (GTA), die im damals neu gegründeten Berufskolleg für Medienberufe ihre Ausbildung absolviert haben. Wie sind Sie damals auf diese Möglichkeit gestoßen?

Nach dem Abitur wollte ich eine möglichst praktische Ausbildung machen. Zuerst habe ich in Köln die Ausbildung zum Biologisch Technischen Assistenten begonnen, aber das Fach Chemie lag mir überhaupt nicht. Mein Vater hatte glücklicherweise von diesem Berufskolleg gehört und unterstützte mich dann auch beim Wechsel in die Ausbildung zum GTA. Schon nach ein paar Unterrichtseinheiten Webprogrammierung wusste ich: Genau das ist es!

Sie haben also so zu sagen Ihr Naturtalent entdeckt.

Ja, genau. Das lief bei mir sofort wie am Schnürchen. Die Inhalte der Ausbildung sind sehr breit gefächert. Gestaltung für Print und Web, Videoaufnahme und -schnitt, Drucktechnik und so weiter. Ich habe alles mitgenommen und später sehr davon profitiert. Aber am meisten lag mir von Anfang an die Programmierung von Webseiten. In PHP und Javascript habe ich mich regelrecht reingekniet.

Bei der großen Bandbreite der Ausbildung finden Sie also eine Spezialisierung wichtig?

Unbedingt. Wie gesagt, später war es für mich, sowohl im Studium wie dann auch im Job, immer sehr hilfreich, in möglichst vielen Gebieten der Mediengestaltung und –technik mitreden zu können. Aber es war schnell klar, dass bei mir die Reise speziell in Richtung Programmierung und Organisation geht. Dabei bin ich hier in der Ausbildung von meinem Fachlehrer bestens unterstützt worden.

Ich habe allerdings auch privat neben der Ausbildung viel gelernt und ausprobiert. Beispielsweise habe ich ziemlich bald ein Gewerbe angemeldet und die ersten Website-Projekte auf die Beine gestellt. Dabei lernt man schnell, die Kenntnisse aus der Schule in der Praxis umzusetzen und aus dem beschützten Rahmen raus auf den Markt zu gehen. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich das auch den heutigen Schülern auf jeden Fall empfehlen. Ein Gewerbe anmelden kostet 20 Euro, man hat nichts zu verlieren aber viel zu gewinnen.

Die Vier-Tage-Unterrichtswoche unterstützt die Schüler ja auch dabei, während der Ausbildung erste Schritte in die Praxis zu machen. War diese Zeit aber nicht trotzdem stressig für Sie?

Ich bin der Lerntyp, der gut zu Hause im stillen Kämmerlein arbeiten kann. Wirklich stressig war das nie für mich. Unter meinen Mitschülern gab es auch viele, die besser in Lerngruppen lernen können, und das wurde auch unterstützt und war auch zeitlich möglich. Was mich betrifft, ich bin der typische Autodidakt. Nachdem ich mir z. B. in den letzten Jahren das Ukulele-Spielen beigebracht habe, werde ich jetzt Gitarre lernen. Das ist Ausgleich für den Job und macht Spaß.

Apropos Job: Wie ist es denn für Sie nach der Ausbildung zum GTA weitergegangen?

Als nächstes wollte ich studieren, und auch das wieder möglichst praxisnah. An der FH Aachen und der Hogeschool Zuyd in Maastricht habe ich den internationalen Studiengang Communication and Multimediadesign absolviert und mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen.

War dabei die Ausbildung zum GTA hier am Berufskolleg hilfreich? Zum Beispiel, wenn Sie sich mit denjenigen Kommilitonen vergleichen, die direkt aus der Abiturprüfung ins Studium gewechselt haben.

Von denen hatten zu Beginn des Studiums viele regelrechten Stress. Programmschulungen beispielsweise waren nicht Gegenstand des Studiums, auch technische Kenntnisse wurden vorausgesetzt, und da haperte es doch bei manch einem. Bei den meisten professionellen Software-Anwendungen für den Medienbereich war ich durch die GTA- Ausbildung fit. Ich erinnere mich noch gut an eine Situation zu Beginn eines Video-Projekts. Ich nahm mir eine der Video-Kameras, die für das Projekt zur Verfügung standen, und war innerhalb einer viertel Stunde wieder vertraut damit. Genauso ging es dann ein paar Tage später am Schnittplatz. Die Basics waren sofort wieder da und abrufbar.

Verbindung von handwerklichem Können und akademischen Studieninhalten hat bei Ihnen also funktioniert?

Ja, das Handwerkliche hatte ich drauf und konnte mich deshalb voll auf die eigentlichen Themen des Studiums konzentrieren. Und die waren auch nicht ohne. Aber gerade bei den Projekten während des Studiums konnte ich diese handfesten Kenntnisse gut anwenden. In einer unserer Projektgruppen ist zum Beispiel der Auftritt des Museums „Zinkhütter Hof“ in Stolberg entstanden. Meine Bachelorarbeit mit dem Thema “Podcasting als Marketinginstrument für öffentliche Einrichtungen“ beschäftigte sich mit der Reorganisation und dem Redesign einer Internetpräsenz von und für jugendliche Strafgefangene in NRW und ist heute unter www.podknast.de online. Als ich das Projekt übernahm, hatte podknast.de so um die 500 Zugriffe monatlich, heute sind es mehr als 15.000.

Heute sind Sie Senior Project Manager bei der Messe Düsseldorf GmbH. Sicherlich ein sehr vielseitiger Job.

Das kann man wohl sagen. Ob Mobile, Apps , Umsetzung von Unternehmens/Projekt CIs,  Planung  von Systemschnittstellen, Verbesserung der online Angebote für Aussteller und Besucher über crossmediale Kampagnen bis hin zur individuellen Social Media Aktion hat der Job als Projektmanager unglaublich viele Facetten. Besonders die Internationalität der Messe Düsseldorf GmbH hat mich dazu bewogen nach meiner Anstellung als Marketingleiter bei der onOffice Software GmbH den Wechsel in ein größeres Unternehmen zu wagen.

Das Interview führe Andreas Jurgenowski, aktualisert 02/2014