Mediengestalter:innen trainieren perspektivisches Zeichnen im Kölner Dom

Eine besondere Unterrichtseinheit erwartete kürzlich die angehenden Mediengestalter:innen unserer Berufsakademie für Medienberufe: Gemeinsam mit Fachdozentin Elena Piras begaben sich die Schüler:innen in eines der imposantesten Bauwerke Deutschlands – den Kölner Dom. Dort, wo gotische Kunstgeschichte auf moderne Medienausbildung trifft, wurde allerdings nicht fotografiert oder digital gestaltet, sondern ganz klassisch gezeichnet – mit Bleistift auf Papier. Der Kölner Dom ist nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe, sondern auch eines der bedeutendsten Bauwerke im Stil der Gotik.

Mit seinen über 157 Metern Höhe, filigranen Türmen, spitzbogigen Fenstern, Maßwerkverzierungen und der reichen Ausstattung aus Skulpturen und Glasmalerei bietet der Dom eine überwältigende Fülle an architektonischen Details. Gerade diese opulente und vielschichtige Gestaltung macht das Bauwerk zu einem idealen Ort für die Schulung des gestalterischen Blicks. Und ganz nebenbei kamen unsere Gestalter:innen dabei in den Genuss zeitgenössischer Kunst. Weltberühmt ist das 2007 von Gerhard Richter geschaffene “Richter-Fenster” im Südquerhaus. Und auch wenn sich die Gelehrten in einem Punkt gerne streiten, so findet der Autor dieses Artikels, dass die abstrakte Darstellung perfekt zur historischen Architektur des Domfensters passt. 72 Farben wurden von Richter per Zufallsgenerator angeordnet und letztlich auf das Domfenster übertragen, was tagtäglich zu eindrucksvollen Lichtspiegelungen führt.

Perspektivisches Zeichnen – mehr als nur Technik: Im Zentrum der Exkursion stand das perspektivische Zeichnen – eine Grundfertigkeit, die in der grafischen Ausbildung einen hohen Stellenwert besitzt. Die Teilnehmenden schulten ihr Auge für Fluchtpunkte, Horizontlinien und Proportionen – zentrale Aspekte, um Raumtiefe und Dreidimensionalität überzeugend auf Papier zu bringen. Gerade im Kontext der gotischen Architektur stellte dies eine besondere Herausforderung dar: Viele Elemente im Dom zeichnen sich durch extreme Höhenstaffelung, komplexe Tiefenwirkung und unzählige symmetrische Details aus. „Das Zeichnen vor Ort ermöglicht unseren Schüler:innen, das Zusammenspiel von Licht, Raum und Struktur mit eigenen Augen zu erfassen“, erklärt Dozentin Elena Piras. Diese Erfahrung lässt sich später nicht eins zu eins durch Software ersetzen – aber sie bildet das Fundament, um digitale Werkzeuge wie Adobe Illustrator, InDesign oder Photoshop bewusst und gestalterisch sicher einzusetzen. Vom Zeichenblock in die Creative Suite: Die intensive Auseinandersetzung mit realen Objekten stärkt nicht nur das räumliche Vorstellungsvermögen, sondern auch das Verständnis für Formen, Linienführung und Komposition. Genau dieses Wissen fließt später in digitale Layouts, Vektorillustrationen oder Bildbearbeitungen ein – egal ob im Print- oder Webbereich. Wer weiß, wie Perspektive funktioniert, kann auch in der digitalen Welt überzeugende Räume und Objekte gestalten.

So wurde der Kölner Dom für einen Tag zum Klassenzimmer – und zur Inspirationsquelle. Die Mischung aus geschichtsträchtiger Architektur und gestalterischer Praxis machte diese Unterrichtseinheit zu einem außergewöhnlichen Erlebnis auf dem Weg zur Medienkompetenz.

Fotos: Elena Piras

Nach oben scrollen